Avatar: Fire and Ash – Kritik und Review

Avatar: Fire and Ash© 20th Century Fox

„Avatar: Fire and Ash“ ist besser als „The Way of Water“. Und ich bin heilfroh, dass dem so ist, nachdem mich James Cameron vor drei Jahren so enttäuscht hat. Das bedeutet allerdings nicht, dass nun alles wieder in Ordnung ist. Auch der dritte Teil der Avatar-Reihe ist dramaturgisch zerfahren, besitzt spürbare Längen und kann an die Magie des ersten, nun sechszehn Jahren alten ersten Films nicht anknüpfen. Viele Altlasten überträgt James Cameron auch in diesen Film und zeitgleich zeigt er, dass seine Kreativität doch noch nicht totzusagen ist.

Als James Cameron in diesem Jahr preisgegeben hat, dass „The Way of Water“ und „Fire and Ash“ während der Konzeption aller Fortsetzungen ein einziger Film waren, hat für mich Vieles im Rückblick auf ersteren, aber nun auch mit Blick auf den aktuellen Film Sinn ergeben. Zunächst waren drei Fortsetzungen zu „Avatar“ in Planung, bis sich Cameron schließlich dazu entschloss (und dafür auch das Studio überreden musste) den angedachten zweiten Teil auf zwei Filme aufzuteilen.

Deswegen ist „The Way of Water“ so beschäftigt mit Aufbau, deswegen endet er so abrupt. Und zeitgleich erklärt das so sehr, warum „Fire and Ash“ so viel besser funktioniert, weswegen dort die neuen Ideen sind, die dem Vorgänger noch gefehlt haben. Aber auch, warum sich beide Filme so sehr ähneln, vieles unnötig wiederholen und man sich am Ende einig ist, dass es Cameron lieber bei einem Film hätte belassen sollen.

Auch der dritte Teil ist in seiner Dramaturgie alles andere als rund. James Cameron ist so sehr verliebt in seine Welt, sodass er es einfach nicht schafft zum Punkt zu kommen. Die Geschichte hat einen klaren Kern und einen offensichtlichen Pfad, der niemals über drei Stunden Laufzeit rechtfertigt, erst recht nicht, wenn man den zweiten Teil für das Gesamtpaket noch hinzunimmt. Immer wieder baut Cameron noch einen Schwenk ein und erzählt verschiedene Versatzstücke derselben Geschichte ein weiteres Mal.

Immer noch sucht Miles Quaritch nach dem Verräter Jake Sully. Und als er ihn schließlich nach viereinhalb Stunden gefangen nimmt, möchte man laut ausrufen: „Endlich!“
Wieder laufen die Sully-Kinder davon, werden geschnappt, laufen wieder davon, enden als Geiseln, werden wieder befreit. Offensichtlicher könnte es nicht sein, dass die neuen Ideen maximal einen großen Film hergegeben hätten.

An allen Ecken und Enden erkennt man plötzlich, dass dieses Skript nie auf zwei Filme ausgelegt war. Im Finale des Films wird es besonders deutlich, wenn Cameron sich gezwungen fühlt, die letzte Schlacht von Teil 1 und 2 zu vermengen und zu einem schlecht kopierten Mischmasch zusammenzuwürfeln. Es hat einen „Return of the Jedi“-Effekt, als hätte Cameron das ursprüngliche Ende des Films aus Zwecken der Aufteilung an das Ende von „The Way of Water“ gepackt, um dann zu bemerken, dass er jetzt nichts mehr für „Fire and Ash“ hat. Nun, dann eben Luft- und Wasserschlacht in einem. Etwas von Teil 1 klauen, etwas von Teil 2 kopieren.

Und dennoch ist „Fire and Ash“ in so vielerlei Hinsicht besser als sein Vorgänger. Das liegt vor allem an zwei Neuzugängen, den Wind- und Ash-Na’vi. Diese beiden neuen Völker sind nämlich im Vergleich zu den Bewohnern der Meeresküsten keine banale Kopie von Neytiris Stamm des ersten Films. Das merke ich insbesondere daran, dass ich mir von beiden mehr zu sehen gewünscht hätte. Das Volk der Händler bewegt sich mit einer Art Heißluftballon fort und vereint damit Aspekte, die ich mir so sehnlich gewünscht habe. Zum einen Handel, zum anderen Technologie.

Das erste Mal geht „Avatar“ über nervige Klischees der Naturverbundenheit hinaus und lässt die Na’vi als authentische Clans dastehen. Dem gegenüber stehen die Ash-Na’vi, die zwar klischeehaft böse inszeniert werden, aber mit ihrem Verlangen nach der Waffentechnik der Menschen endlich mal eine nachvollziehbare, historisch akkurate und menschliche Motivation mit sich bringen.

Der Film startet somit unerwartet stark. James Cameron hält sich endlich nicht mehr damit auf, seine Geschichte zu etablieren, etwas, das bereits „The Way of Water“ nicht hätte machen müssen. Er startet direkt in die Geschichte herein, was dem Flow der Handlung sehr guttut. Dabei fällt besonders positiv auf, dass der zentrale Figurentod des Vorgängers nicht einfach beiseite gewischt wird, sondern tatsächlich über die gesamte Laufzeit relevant für den dritten Teil bleibt.

Den Tod von Jake Sullys ältesten Sohn empfand ich damals als äußerst unpassend. Zu früh, zu wenig Charakterentwicklung. Wenigstens greift „Fire and Ash“ dieses Ereignis durchweg auf und rechtfertigt es rückwirkend durch signifikante Folgen für die restliche Familie. Es gibt eine herzzerreißende Szene zwischen Jake und Neytiri, bei der ich vor Cameron meinen Hut ziehen musste, da ich niemals gedacht hätte, dass er es schafft, so viel Drama aus einem eigentlich lahmen Figurentod herauszuholen.

Ein schönes Detail dabei ist auch, dass Cameron es, wie damals angedeutet, tatsächlich durchgezogen hat und Lo’ak, den Sohn von Jake, zum Erzähler aus dem Off gemacht hat. Zwar sagt er nicht viel (eine Tatsache, die ebenfalls positiv ist, da der narrative Zweck schlicht nicht mehr gegeben ist), aber es verfestigt die Entwicklung der Figur hin zum Protagonisten der Reihe.

Das Volk der Händler ist visuell das erste große Highlight des Films. Leider muss man aber auch sagen, dass diese Na’vi nur ein kurzer Bestandteil des Films sind und nach der ersten großen Actionsequenz und mit der Einführung der Ash-Na’vi nicht mehr auf die Leinwand zurückkehren. Ich hätte mir gewünscht, dass Sullys Familie den langweiligen Wasserstamm für ein neues, interessanteres Volk verlässt, allerdings kehren sie kurze Zeit später wieder dorthin zurück.

Aber dann sind da noch die Ash-Na’vi, die als zweite neue Fraktion rund um ihre Anführerin Varang deutlich prominenter vertreten sind. Auch hier sei einschränkend gesagt, dass sie, insbesondere Varang und ihre Beziehung zu Antagonist Miles Quaritch, mehr Leinwandzeit verdient hätten. Denn Varang ist zwar eine neue Antagonistin, jedoch bei weitem nicht die neue zentrale Gegenspielerin, wie es die Trailer suggerieren. Quaritch bleibt der Hauptgegenspieler, während Varang, so spannend sie auch ist, nach ihrer starken Einführung leider mehr und mehr zur Nebenfigur verkommt.

Dennoch ist das Zusammenspiel der beiden ein klares Highlight des Films. Und Quaritch hat klar die beste Entwicklung in den beiden Filmen. Die Parallele zu Jake Sully ist so deutlich, seine Erlösung schon greifbar. Varang als Neytiri-Pendant hätte man noch stärker forcieren können. Wenn man bedenkt, wie viel Zeit der Film für andere Dinge aufwendet, wirkt ihre Beziehung fast schon gehetzt.

Weniger warm wurde ich hingegen mit der Geschichte rund um den Menschenjungen Spider. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber er und Quaritsch werden tatsächlich zum zentralen Konflikt der ganzen Handlung. Die Trailer verraten bereits, dass Spider im Verlauf der Geschichte die Luft von Pandora atmen kann. Aus Gründen, die ich nicht nachvollziehen kann, bekommen daraufhin alle anderen Figuren Schnappatmung, denn das könnte schließlich bedeuten, dass alle Menschen bald ohne Masken auf Pandora spazieren können.

„Na, und?“, möchte man dauerhaft fragen, denn dass die Menschheit bereits im Vorgänger beschlossen hat, ganz Pandora zu besiedeln und sich ihr Tragen von Masken noch nie als großes Hindernis herausgestellt hat (schließlich sind auch alle Gebäude mit Sauerstoff ausgestattet), wird irgendwie vergessen. Es macht schlicht keinen signifikanten Unterschied für die übergeordnete Handlung und dennoch wird dies zum zentralen Konflikt gepusht.

Interessanter ist da die Weiterführung der Figur Kiri, die bereits als Auserwählte und Kind Eywas in „The Way of Water“ etabliert wurde. „Fire and Ash“ führt dies nun fort und lässt tatsächlich keine Zweifel mehr daran übrig, dass Kiri der Anakin Skywalker von Pandora sein soll. An der Stelle führt Cameron auch einige spannende Elemente hinsichtlich des Bewusstseins von Pandora fort. So sieht man an einer Stelle fast das Gesicht von Eywa. Nur schlau wird man aus alledem am Ende leider nicht, da auch dieses Handlungselement dramaturgisch enorm abrupt und ungelenk aufgelöst wird. Kiris Problem, mit Eywa nicht kommunizieren zu können, wird äußerst simple gelöst. Und eine Erklärung, warum sie nicht mit ihr kommunizieren konnte und am Ende dann doch, gibt es auch nicht.

Ich hatte mir erhofft, dass dieser dritte Teil mehr noch ein „Empire Strikes Back“ für die Reihe wird. Zwar werden die Figuren und das Drama vertieft, aber als James Cameron bereits in Interviews sagte, dass „Fire and Ash“ die erste von zwei Sagen abschließen wird, war mir klar, dass es wieder auf dasselbe Action-Finale hinauslaufen wird. Und das tut es, obwohl einen Cameron mehrmals glauben lässt, dass der Film vielleicht doch etwas mehr Mut hat.

Aber nein, er mischt einfach das Finale von den beiden Vorgänger-Filmen zu einem großen zusammen, ohne dabei jedoch ein genauso episches Finale zustande zu bekommen. Generell ist der Film prädestiniert dafür, an vielen Stellen mutiger zu sein, mal eine unbeliebte charakterliche Entscheidung zu treffen. Aber leider deutet Cameron häufig nur an, um dann doch ein Rückzieher zu machen. Etwas mehr Mut und Bissigkeit hätte „Fire and Ash“ wirklich gutgetan.

Allerdings kann man auch nicht behaupten, nach diesem dritten Teil wäre „Avatar“ rund abgeschlossen und ein möglicher vierter Teil würde wieder ganz frisch starten. Nein, die Menschen verlieren zwar einen weiteren Kampf, aber von Pandora verscheucht sind sie noch lange nicht. Und Miles Quaritch macht natürlich weiter seinen Erlösungs-Arc durch, fällt am Ende symbolisch in die Tiefe, wie einst Luke Skywalker, um als neuer Mensch wiederzukehren.

Falls Avatar 4 und 5 schon immer separat geplant waren, kann man nur hoffen, dass diese Filme inhaltlich mehr zu bieten haben. In einer anderen Welt wären Avatar 2 und 3 einfach ein einziger drei Stunden-Film gewesen. Oder eine sechsteilige Serie, bei all den Schwenks und Umwegen, die diese Filme machen. Denn zwar mag James Cameron noch die visuellen Effekte, das große Staunen und die knackige Action draufhaben, aber das Pacing ist ihm mit diesen Filmen wirklich komplett entglitten. Obwohl „The Way of Water“ schlechter und unrunder geschrieben ist, fühlt sich „Fire and Ash“ nochmal ein Stück aufgeblasener, langatmiger und episodenhafter an.

Zudem gibt diese magere Geschichte niemals sechs volle Stunden her. An allen Ecken und Enden könnte man straffen, wahrscheinlich sogar ohne großen Aufwand einen kompakten Film daraus schneiden. Und aus Gründen, die ich nicht verstehe, hatte ich dieses Mal Probleme mit der hohen Bildrate bzw. dem Umschalten auf niedrigere Bildraten. Bei Avatar 2 ist es mir damals überhaupt nicht aufgefallen, dass nicht alle Szenen in hoher Bildrate gedreht sind. Avatar 3 hat hingegen einige Szenen, in denen der Sprung von hoher zu niedriger Bildrate störend auffällt.

Die allgemeine Rezeption zum Film scheint derweil so auszufallen, dass „Fire and Ash“ tendenziell als der schlechteste Film der Trilogie angesehen wird, häufig mit dem Vorwurf, der Film würde zu sehr „The Way of Water“ ähneln. Ich weiß nicht, wie man so blind sein kann, aber dass „The Way of Water“ zu jeder Zeit eine noch viel schlimmere Kopie vom ersten Teil war, ist entweder den meisten bis heute nie aufgefallen oder war vor drei Jahren anscheinend noch kein Problem.

Zwar übernimmt „Fire and Ash“ ebenfalls einige Versatzstücke, aber ist in der Gesamtheit deutlich weniger repetitiv als sein Vorgänger. Vor allem kann Teil 3 seine kopierten Elemente viel besser durch neue Einfälle und Ideen kompensieren, etwas, dass man in Teil 2 vergeblich gesucht hat. Hinzu kommt das penetrante Kopieren von Dialogen, was in Avatar 3 zwar auch vorkommt, aber nicht annähernd so häufig ist, zudem weit weniger nervig ist und zum anderen an wenigen Stellen sogar thematisch sinnvoll ist („Du hast ein starkes Herz. Keine Furcht.“). Also wem das erst jetzt auffällt und plötzlich stört, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Obendrauf scheinen einige Leute vergessen zu haben, wie eine Fortsetzung innerhalb einer Reihe funktioniert. Es scheint sichtlich Verwirrung darüber zu geben, warum Avatar 3 denn „einfach nur“ die Figuren und ihre Geschichte aus dem Vorgänger fortsetzt, warum dieselben Figuren und Schauplätze größtenteils wiederzusehen sind. Vielleicht, weil es eine Fortführung der bisherigen Geschichte ist? Daher ist „Fire and Ash“ auch nicht dazu verpflichtet, nochmal eine große Rückschau über die bisherigen Ereignisse zu starten. Etwas, das Avatar 2 bereits hätte lassen sollen, beherzigt wenigstens Teil 3. Sorry, aber wer die Trauer von Neytiri nicht versteht, weil der- oder diejenige den Tod einer wichtigen Figur vergessen hat, der sollte das eher seiner eigenen Dummheit statt den Filmen zuschreiben.

Avatar: Fire and Ash© 20th Century Fox

Fazit: Nach „The Way of Water“ konnte es nur bergauf gehen. Jedoch dachte ich angesichts der ersten Kritiken, dass James Cameron mich ein weiteres Mal enttäuscht. Glücklicherweise stellte sich mal wieder heraus, dass die meisten Kinogänger und Kritiker filmische Analphabeten sind. Natürlich ist „Fire and Ash“ kein überragender Film. Er ist nicht so gut, wie ich es mir erträumt hätte, aber wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung. Nun bin ich tatsächlich gespannt, was James Cameron mit Avatar 4 und 5 vorhat.

7.0 von 10.0

Die Kritik im Original auf Moviepilot

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