The Fantastic Four / Der Soldat James Ryan – Kritik

The Fantastic Four, Der Soldat James Ryan© Disney, Paramount

Für Juli und August habe ich wieder zwei Kinofilme in einem Beitrag zusammengefasst. Ich schreibe über den neusten MCU-Film „The Fantastic Four: First Steps“, sowie den Steven-Spielberg-Klassiker „Der Soldat James Ryan“.

The Fantastic Four: First Steps

Das soll also die „Rückkehr“ von Marvel sein? Bei „The Fantastic Four: First Steps“ überschlägt sich direkt mal wieder so mancher in seinen Lobeshymnen. Und dann kommt am Ende doch ein ziemlicher generischer Standard-MCU-Film dabei herum.

Das retrofuturistische Setting gehört zum einzigen Alleinstellungsmerkmal dieses Films und darüber hinaus kann er nichts Spannendes, geschweige denn Überraschendes erzählen. Zugegeben gelingt es dieser Neuinterpretation besser als James Gunns „Superman“ eine bereits etablierte Superhelden-Welt zu inszenieren, die nur so von Comicbuch-Ästhetik strotzt. Was in „Superman“ nie harmonisieren möchte, fügt sich bei den Fantastic Four geschmeidig zusammen.

Nur darüber hinaus gibt es eben nichts Interessantes oder übermäßig Positives an diesem Film zu berichten. „The Fantastic Four“ nimmt im Grunde denselben Plot, den schon sein Vorgänger aus dem Jahr 2007 verhandelt hat. Jetzt alles akkurater den Comics nachempfunden. Aber das hilft halt der Geschichte und den Figuren nicht.

Der Film ist allein Plot-getrieben erzählt, während ihm die Figuren herzlich egal sind. Keine tiefere Figurenzeichnung, keine Charakterentwicklung, nichts. Der Film ist Standard-MCU-Kost, wofür sie viele Jahre bewundert wurden. Aber der Funke ist längst erloschen. Es gibt in dieser Geschichte keine Wendung. Stattdessen verharrt der Film im Gut-gegen-Böse-Schema bis zur letzten Sekunde. Wir wissen alle, wie dieser Film anfangen und enden wird.

Es gab sogar spannendere Theorien im Vorfeld darüber, wie die Fantastic Four im Hauptuniversum des MCUs landen könnten. Nichts davon tritt auch nur annähernd ein. Viel lieber hat sich Marvel auf ihre eine Superkraft berufen: die durchschnittlichste aller durchschnittlichen Heldengeschichten anzubieten. Aber schön zu sehen, dass die Fan- und Kritikercommunity wieder aus unerfindlichen Gründen froh darüber sein zu scheint. Verstehen muss man das offenbar nicht.

5.5 von 10.0

Die Kritik im Original auf Moviepilot

Der Soldat James Ryan

„Der Soldat James Ryan“ wird auf ewig für seine geniale Eröffnungssequenz in Erinnerung bleiben. Jedoch auch nur dafür. Denn danach hat man im Grunde alles Interessante gesehen. Aber für diese ersten 25 Minuten ist Steven Spielbergs Kriegsfilm aus dem Jahr 1998 in die Geschichte eingegangen.

Bis heute gilt sie als Prototyp für die mediale Darstellung des modernen Krieges im 21. Jahrhundert. Zahlreiche Filme ließen sich von ihr inspirieren. Regisseur Ridley Scott zitiert sie in mindestens drei seiner Filme (Gladiator, Robin Hood und Gladiator II). Erfolgreiche Videospielreihen, wie Medal of Honor oder Call of Duty wären ohne „Der Soldat James Ryan“ vermutlich nicht entstanden.

Aus drei Perspektiven betrachtend sowie zügig, ja geradezu hektisch, geschnitten, hebt Spielberg hier auf eindrucksvolle Weise den Terror und das Chaos des Zweiten Weltkrieges hervor. Die Landung der Alliierten am D-Day in der Normandie dient hierbei als Vorlage und Spielberg deutete mit seiner immersiven Art der Darstellung eigenständig die Wahrnehmung des Westens auf diesen Krieg um. Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass viele Amerikaner weitgehend durch diesen Film vom Verständnis über den Zweiten Weltkrieg geprägt wurden (vergessen wird die Ostfront, vergessen wird die größtenteils widerstandslose Landung an anderen Strandabschnitten der Normandie).

Steven Spielberg gelingt dies durch den dokumentarischen Stil, den er hierbei verwendet. Das blutgetränkte Gemetzel am Strand ist Cinéma vérité in seiner schönsten Form. Mit Kamerafahrten durch die Reihen der landenden Amerikaner, Perspektivwechsel auf die deutsche Seite, die erbarmungslos mit Maschinengewehrsalven durch die alliierten Reihen fegen und dem durch Tom Hanks verkörperten Veteranen, der geschockt und betäubt durch die Granateinschläge das Geschehen verfolgt.

Dabei bleicht Spielberg das gefilmte Material bewusst aus, um dem Film den Anstrich von einem Wochenschau-Bericht von damals mitzugeben. Auch das dient allein der Immersion und dem Charakter einer im Stil des Dokumentarfilms abgedrehten Sequenz. Unterstrichen wird das Ganze durch die handgehaltene Kamera, welche manchmal über die Schulter oder in entsprechender Distanz zum Geschehen das Grauen des Krieges festhält.

Hin und wieder ist man sich als Zuschauer unsicher, ob Spielberg bewusst oder unbewusst mit zynischen wie auch galgenhumorartigen Momentaufnahmen aufwartet. Sei es ein orientierungsloser Soldat, der nach seinem abgesprengten Arm sucht, ein von Captain Miller über den Strand gezogenen Soldaten, der unbemerkt durch einen Granateinschlag seinen gesamten Unterleib verliert oder ein Fernmelder, der, als er das dritte Mal von Captain Miller an die Schulter gepackt wird, um mit ihm zu sprechen, kein Gesicht mehr hat.

Diese Eröffnungssequenz gehört zu den wenigen Abschnitten in einem modernen Blockbuster, die als pures Kino bezeichnet werden können. Es wird eine Geschichte rein mit den Mitteln des Films erzählt. Keine Exposition, keine Charaktere, keine Erzählung, kaum Dialog. Nur Bewegung und Aktion.

„Movies are kinetic. It’s about movement. Forget the actors, forget the story. It’s all about movement. The chase. The chases were the beginning form of cinema. A chase, like anything else in a movie, it has to be built. You got a beginning, a middle and an end. And you have several incidents in there.“ – George Lucas.

Steven Spielberg schuf hier eine so brillante Sequenz, sodass auch keine weitere mehr im Verlauf der zweieinhalb Stunden Film daran heranreichte. „Der Soldat James Ryan“ lohnt sich dafür, aber auch nur dafür, denn obgleich eines noch sehr unterhaltsamen Finales (und der zugegebenermaßen damals sehr überraschenden Wendung, bei wem es sich um den alten Mann zu Beginn des Films handelte) plätschert der weitere Verlauf des Films vor sich hin.

Überwältigt von der Normandielandung kann kein anderer Moment mehr glänzen oder überzeugt in entsprechender Art und Weise. „Der Soldat James Ryan“ steht hier auch prototyphaft für viele weitere Filme, die Spielberg in den 2000er und aufwärts produzierte: Meist eine spannende Prämisse und ein guter Einstieg, jedoch geht dem Ganzen schnell die Luft aus (Minority Report, Krieg der Welten, Indiana Jones 4, Ready Player One u.v.m.).

7.5 von 10.0

Die Kritik im Original auf Moviepilot

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