Superman (2025) – Kritik und Review

Superman© Warner Bros.

James Gunn scheitert an Superman. Der geniale Kopf hinter der Guardians-of-the-Galaxy-Reihe, der unfehlbare Comicbook-Nerd, welcher auch mit dem Suicide Squad noch einen passablen Film ablieferte, verhebt sich gehörig an der ikonischen DC-Legende und ebnet seinem eigenen DCU damit einen schwierigen Start.

Was sich von den Guardians of the Galaxy noch mühelos auf das Suicide Squad übertragen ließ, misslingt spätestens bei Superman. James Gunn reduziert zwar seine typisch humorvolle Schreibweise, aber bietet lediglich die Kryptonians of the Galaxy dar, was einer Superman-Verfilmung nicht stehen mag.

Seine Leidenschaft für Comics und seine Einfälle erschöpfen sich in „Superman“. Einmal mehr bewirft Gunn die Leinwand mit Figuren und Comicreferenzen, was im Gesamtspiel allerdings nie funktioniert. Der Film ist zu überladen mit Ideen und Themen, ohne jemals davon etwas gescheit auszuerzählen oder zu vertiefen.

Die meisten Figuren des Films sind klasse. Insbesondere das Trio rund um Clark Kent, Lois Lane und Lex Luthor funktioniert, bei dem letzterer als verstörender Antagonist, gespielt von Nicholas Hoult, heraussticht. Darüber hinaus inszeniert James Gunn das alles wieder gekonnt routiniert, mit diversen Actionhighlights.

Nur die von Figuren und Themen überladene Handlung langweilt leider und lässt „Superman“ wie ein Sammelsurium aus Ideen aussehen, wovon keine Einzige richtig ausgespielt wird. Gunn ist zu jedem Zeitpunkt zu verliebt in seine weirden 80er-Jahre Comics, wodurch das Packende und Emotionale auf der Strecke bleibt und zu einer reinen Behauptung wird.

So wird Superman verzweifelt als Gegenentwurf zu Zack Snyders Interpretation inszeniert, der 3-4 Mal heroisch ein Kind retten darf und mehrfach sein Logo in die Kamera hält. Mit einem bedeutungsschwangeren Score, der zugegebenermaßen nicht schlecht ist, wird schließlich vergeblich suggeriert, dass hier doch gerade der große amerikanische Mythos auftritt, was jedoch gefühllos in der Leere des Kinosaals verhallt.

Lex Luthor wird derweil als Elon Musk Verschnitt gezeichnet, der zwar mit seiner erbärmlichen, einschüchternden Art das klare Highlight des Films darstellt, man sich aber dann doch allmählich fragt, wie häufig uns Hollywood in den nächsten Jahren noch die x-te Techmilliardär-Parodie andrehen möchte. Genauso wie die vage Andeutung einen der aktuellen Kriegsherde der Welt mit einzupflegen, erweisen sich diese Versuche „Superman“ politisch zu machen, als unbeholfen und mit wenig bis gar keiner Aussagekraft behaftet.

Es ist zu konstatieren: „Man of Steel“ von Zack Snyder ist der deutlich bessere Superman-Film der jüngeren Vergangenheit gewesen. Zwar fällt der Film im letzten Drittel stark ab, aber alles, was Snyder zuvor an „Lore“, Fundament und Hintergrundgeschichte etablierte, gepaart mit einigen spannenden, wenn auch kontroversen charakterlichen Ansätzen und Themen, verschaffte der Figur und dem anstehenden DCEU eine deutlich bessere Basis als dieser diffuse Versuch von Gunn.

Besonders zu spüren ist das bei dem großen Fokus, den Snyder seinerzeit auf Clark Kents Ursprung und Familie legte. In seiner Version spielten Superman Eltern eine sehr wichtige und emotionale Schlüsselrolle. James Gunn versucht sich ebenfalls daran aus der Familiensituation eine für Superman emotionale Reise und charakterliche Weiterentwicklung zu schaffen, verplempert währenddessen jedoch viel zu viel Zeit mit albernen Figuren, wie der Justice Gang, und versucht sich dann am Ende einem erzählerischen Zirkelschluss, der sich jedoch aufgrund der Tatsache, dass beide Elternteile von Superman so gut wie gar keine Leinwandzeit erhalten, als völlig austauschbar und dysfunktional erweist.

Vor allem scheitert „Superman“ daran, ein Start für das neue DCU sein. Dieser Film könnte der dritte oder vierte Film in dieser Reihe sein, aber sicherlich nicht der Erste und damit das Fundament und Rückgrat für das ganze Unterfangen. Gunn meint, es bräuchte keine Origin-Geschichte Supermans mehr, genauso wie bei Spider-Man oder Batman. Nur leider überspringt man dadurch auch einige absolute Schlüsselmomente in der Geschichte.

Bei Matt Reeves „The Batman“ hat dieser Ansatz noch am besten funktioniert, weil es Reeves verstand, die Abwesenheit von Bruce Waynes Eltern zu jeder Sekunde greifbar zu machen. Schon bei „Spider-Man: Homecoming“ funktionierte dies jedoch überhaupt nicht und auch dieser neue Superman bleibt weitestgehend flach und unnahbar. Ganz anders Zack Snyders Version im Übrigen.

Dieser Superman funktioniert wie ein Teil in einem Ensemble, bleibt dabei allerdings zu selten der wahre Protagonist des Films, weil sich James Gunn mal wieder auf dem Weg in noch 4-5 weitere weirde Figuren aus den Comics verliebte, die er unbedingt mit ins Skript schreiben musste. Alles in diesem Film bleibt eine Skizze und nichts wird je richtig mit Inhalt und Kontext gefüllt.

Superman© Warner Bros.

Fazit: Das ist nicht der Superman einer neuen Generation, sondern eine wilde Ansammlung von Ideen, Themen und Figuren, wovon keine einzige strahlen oder erzählt werden darf. James Gunn hat sich mit „Superman“ mächtig verhoben und nie den Fokus finden können, den der Neustart des DCUs gebraucht hätte.

5.0 von 10.0

Die Kritik im Original auf Moviepilot

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