© Disney„Maul – Shadow Lord“ ist ein neuer Nachfolger / ein neues Spin-off zur beliebten „The Clone Wars“-Serie von Lucasfilm. Ähnlich wie in „The Bad Batch“ werden sich Charaktere, die in „The Clone Wars“ besonders gut funktioniert haben, herausgesucht und eine eigenständige Serie mit ihnen erschaffen.
Direkt vorneweg erkennt man das insbesondere am markanten Animationsstil, der über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt und feingeschliffen wurde. In „Maul“ findet er nun zu einer neuen Perfektion. Es ist klar eine Fortsetzung im Geiste von „The Clone Wars“, die von Stil und Inhalt her unmittelbar an die siebte Staffel aus dem Jahre 2020 anknüpft.
Nur in Details gibt es offensichtliche Neuerungen. So bedient man sich bei vielen Hintergründen des Stils digitaler Matte-Paintings. Oftmals wirkt es wie mit Wasserfarben geschwungen. Auch die Animationen heben sich durch kleine Nuancen ab und wirken insgesamt nochmals etwas abgerundeter und hochwertiger. Damit sei aber auch gesagt, dass es sich bei dem großen Marketing-Gerede im Vorfeld, hier würde Lucasfilm einen neuen Animationsstil erfinden, in der Tat nur um großspuriges Gerede gehandelt hat. Mehr Feinschliff des Altbekannten, statt sichtbarer Neuerungen.
Ähnlich verhält es sich auch mit dem Erzählten und dem Inhaltlichen „Maul – Shadow Lord“ wurde nun über Wochen hinweg über den grünen Klee gelobt. Star Wars in Höchstform? Das beste Star Wars, welches es in animierter Form jemals gab? Das ist aus meiner Sicht ehrlicherweise ziemlich übertrieben.
Heruntergebrochen auf das Wesentliche führt die Serie einfach den Charakter Darth Maul aus der fünften und siebten „The Clone Wars“-Staffel fort. Nur darf er sich dieses Mal als Protagonist über zehn Folgen lang austoben, statt der früheren Vier-Episoden-Arcs. Natürlich waren seine Geschichten auch damals schon das Highlight der Serie. Darth Maul bleibt eine interessante Figur. Aber aus erzählerischer Sicht muss man nun auch nicht so tun, als würde die neue Serie das alles auf ein völlig neues Level heben.
Im Gegenteil. Mauls Geschichte knüpft an das Erwartbare aus „The Clone Wars“ an. Immer noch (oder eher schon wieder? So genau weiß man das bei der Figur mittlerweile gar nicht mehr) versucht Darth Maul sein Verbrechersyndikat in der Unterwelt aufzubauen. Dazu stoßen zahlreiche neue Figuren, wodurch „Maul“ schnell zu einer Geschichte wird, in der die Titelfigur nicht der alleinige Protagonist bleibt.
Die große Neuerung bzw. der Kniff der Serie ist die Einführung einer jungen Jedi, die im Verlauf der Geschichte von Darth Maul zu seiner Schülerin verführt werden wird. Und diese Tatsache ist das Interessanteste am ganzen Spektakel, da sich Lucasfilm unter Disney hier offenbar ganz bewusst an den verworfenen Sequel-Ideen von George Lucas persönlich bedient hat.
Wenn man alles andere ausblenden würde, was mittlerweile unter Disney kanonisch zu Star Wars gehört, dann könnte man meinen, dass sie hier eine direkte Prequel-Serie zu Lucas‘ Sequels erzählen möchten. Denn unter ihm hätte es in den Star-Wars-Filmen VII–IX den Oberbösewicht Darth Maul gegeben, der mithilfe seiner Schülerin Darth Talon den alten sowie neuen Protagonisten rund um Luke Skywalker das Leben schwer gemacht hätte. Nun findet Darth Maul in dieser Serie eine junge Schülerin, die bisher nur Devon genannt wird, aber rein zufällig sehr große Ähnlichkeiten zu Darth Talon aufweist. Unter anderem ist sie eine weibliche Twi’lek mit roter Hautfarbe, genauso wie Darth Talon. Offensichtlicher geht es eigentlich gar nicht.
Was das genau soll und wohin das noch führen wird, ist bisher schleierhaft. Denn unter Disneys neu geschaffenem Kanon stirbt Darth Maul wenige Jahre später noch vor Episode IV durch die Hand von Obi-Wan Kenobi. Und seine neue Schülerin Devon trat bekanntermaßen noch nie in Erscheinung. Sie ist weder in der Serie „Rebels“ zu sehen, in der Darth Maul chronologisch als letztes auftritt und schließlich stirbt, noch irgendwann später. Also wozu jetzt dieses Meister-Schüler-Verhältnis, welches aus George Lucas‘ Entwürfen kopiert wurde, etablieren, damit es buchstäblich ins Nichts führt?
Wahrscheinlich wird die Serie dazu noch irgendwann selbst eine eigene seltsame Erklärung finden. Denn „Maul“ ist durch die Einführung zahlreicher neuer Figuren offenbar auf mehrere Staffeln ausgelegt. Das Ende der ersten Staffel wird quasi mit einem Cliffhanger beendet. Lucasfilm peilt hier vermutlich mindestens drei Staffeln an, ähnlich wie zuletzt bei „The Bad Batch“. Somit ergeben sich erstmal viele Fragezeichen rund um diese neue Serie. Im Sinne des aktuellen Kanons ist das alles ein wenig seltsam.
Und obgleich Darth Maul eine coole Figur ist, darf man sich auch allmählich fragen, wie viele Teilaspekte man aus seinem Leben noch erzählen muss. Die Figur ist für mich nämlich mittlerweile auserzählt. Lucasfilm versucht hierbei wahrscheinlich, eine Vorgeschichte zu Mauls Auftritt in „Solo: A Star Wars Story“ zu schreiben, in dem er bekanntermaßen einen Kurzauftritt hat und der Syndikat-Boss zu sein scheint, der er in dieser Serie noch nicht ist.
Allerdings sollte man sich auch nicht zu viele Gedanken rund um die Figur machen, ohne Kopfschmerzen zu bekommen. Insbesondere Dave Filonis „Rebels“-Serie bricht aus diesem Muster nämlich merklich aus. Man erinnere sich: In „Rebels“ hat Darth Maul rein gar nichts mehr mit der Unterwelt am Hut. Rückblickend betrachtet tut die Serie so, als hätte es den Unterweltboss Darth Maul aus „The Clone Wars“, „Solo“ und nun „Maul“ nie gegeben. Und obgleich des spektakulären Lichtschwertduells mit Obi-Wan findet er sein vorzeitiges Lebensende in jener Serie. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie sehr Dave Filoni den Umgang mit der Figur in „Rebels“ gerade bereut.
Von all diesem Durcheinander einmal abgesehen, muss ich bezüglich „Maul – Shadow Lord“ konstatieren, dass die Serie in ihrer Gesamtheit okay und solide ist. Sie unterhält und macht Spaß. Allerdings finde ich auch, dass man sie nicht gesehen haben muss. So gut, wie sie angepriesen wird, ist sie wirklich nicht. Dafür erzählt „Maul“ schlicht zu wenig.
Kaum etwas von dem Ganzen ist neu oder interessant. Gerade weil es nur mehr vom Gleichen ist. Darth Maul versucht, über zehn Folgen wieder zum Boss der Unterwelt aufzusteigen, wovon gefühlt die Hälfte der Zeit darauf draufgeht, dass er und andere Figuren vor der Polizei und später dem Imperium davonlaufen. Ohne zu übertreiben, besteht die zweite Hälfte der Staffel fast ausschließlich daraus, dass Maul und Co. in einem Katz-und-Maus-Spiel vom Imperium wegrennen, mehrfach kurz davor sind, geschnappt zu werden, und wieder wegrennen. All das findet über zehn Folgen hinweg auf einem einzigen Stadtplaneten statt, bei dem man erst nach mehreren Folgen bemerkt, dass es sich nicht um Coruscant handelt.
Dabei muss ich der Serie jedoch zugutehalten, dass sie es nach „Andor“ schafft, das Imperium tatsächlich bedrohlich und kompetent erscheinen zu lassen. Anscheinend hat es eine sehr gute Serie wie „Andor“ gebraucht, damit Disney das verstanden hat. Dieses Imperium wirkt wie eine direkte Fortführung des Imperiums aus „Andor“ und ist keine Lachnummer wie in „Rebels“ oder wie das Imperium 2.0 aus den Sequels.
Auf der anderen Seite nervt es dann auch wieder ein wenig, dass „Maul“ zwei Inquisitoren zurückbringen muss, bei denen jeder Star-Wars-Fan weiß, dass sie abgesehen von ihren coolen Designs, erst später im Kanon von Ahsoka buchstäblich innerhalb von Sekunden getötet werden. Sie sehen gefährlich aus, sind aber in Wahrheit recht schwächlich. Und trotzdem müht sich Darth Maul mit ihnen ab, weil sie eben noch nicht sterben können. Und jeder weiß es. Das wirkt vom „Power Scaling“ dann doch seltsam.
Letztendlich fand ich es schade, dass sich die ganze Geschichte auf diesen einen Planeten beschränkt. Und die Figuren laufen irgendwann buchstäblich im Kreis. Da passiert mir in der Gesamtheit schlicht zu wenig, weil es auch so repetitiv wirkt. Es ist ein einziges Hin und Her, was mit der Zeit dann doch ein wenig ermüdend ist. Ähnlich verhält es sich mit den eigentlich hübschen und ansehnlich choreographierten Lichtschwertkämpfen. Nur audiovisuell, da liefert „Maul – Shadow Lord“ wirklich ab. Vor allem der Sound und der Score sind hier hervorzuheben. Noch nie klang eine Animationsserie von Lucasfilm so fulminant.
© DisneyFazit: Für Star-Wars-Fans ist „Maul – Shadow Lord“ solide Unterhaltung. Audiovisuell hervorragend, inhaltlich leider nur das übliche Mittelmaß.
6.0 von 10.0
Die Kritik im Original auf Moviepilot
