© Sony Pictures / Amazon Prime VideoFür März und April habe ich einen Kinofilm und eine Serie in einem Beitrag zusammengefasst. Ich schreibe über den Überraschungshit „Der Astronaut – Project Hail Mary“, sowie die finale fünfte Staffel der Kultserie „The Boys“.
Der Astronaut – Project Hail Mary
„Projectt Hail Mary“ ist eine Romanverfilmung, die vom selben Autor stammt, der bereits „Der Marsianer“ geschrieben hat. Damals hat Ridley Scott den Film dazu umgesetzt, während jetzt Phil Lord und Chris Miller die Regie übernehmen. Dass beide Bücher aus derselben Feder stammen, merkt man gleich am tonal sehr leichtherzigen und humorvollen Ansatz. Das Regieduo, welches überwiegend durch Komödien bekannt ist, scheint wie für diesen Film gemacht. Zudem sieht der Science-Fiction-Film hervorragend aus und kann mit einigen optisch ansprechenden Sequenzen im All punkten.
Im direkten Vergleich und aus meiner Erinnerung heraus ist „Der Marsianer“ von Scott jedoch der bessere Film, was eher an der Buchvorlage als an der Regie liegt. Zwar übertreiben es Lord & Miller stellenweise mit ihrer Art, dutzende schnelle Schnitte hintereinander zu reihen, als würden sie einen Spider-Verse-Ableger verfilmen. Nicht nur dabei, sondern auch bei einigen lichtintensiven Sequenzen ist man als Zuschauer manchmal kurz davor, Kopfschmerzen zu bekommen.
Außerdem haben sie zusammen mit „Dune“-Kameramann Greig Fraser eine äußerst dämliche Format-Entscheidung getroffen, wodurch die für IMAX gedrehten Bilder in allen Cinemascope-Kinos unnötige, nervige schwarze Balken haben, anstatt den gesamten Film für Cinemascope zu mastern. So darf man in 99 Prozent aller Kinosäle die Szenen im All mit fetten schwarzen Balken an den Rändern bestaunen, während alle Szenen auf der Erde oben und unten zusätzliche schwarze Balken besitzen, was letztlich dazu führt, dass nur rund 50 Prozent der Leinwandgröße ausgenutzt werden.
Das inhaltliche Problem von „Project Hail Mary“ besteht allerdings darin, dass der Film sich so bodenständig und realistisch geben möchte wie „Der Marsianer“, dem er aber nicht gerecht wird. „Project Hail Mary“ ist deutlich weniger Science-Fiction und besitzt einen starken Fantasy-Einschlag, was u. a. mit der überdrehten Beziehung der Hauptfigur zu einem lebenden Stein auf vier Beinen zusammenhängt. Keine Frage, wird diese Beziehung amüsant, humorvoll und am Ende auch schön dramatisch ausgespielt. Jedoch ist der Film nie an einer „ernsthaften“ Alien-Geschichte interessiert, sondern könnte an dieser Stelle eher in James Gunns Guardians-of-the-Galaxy-Universum spielen, als dass der Film konzeptionell zu „Der Marsianer“ passt.
Hier war Scotts Film als Science-Fiction-Film viel greifbarer und wissenschaftlicher. „Der Marsianer“ besaß einen Realismusanspruch, den „Project Hail Mary“ irgendwann vollständig über Bord wirft. Das liegt maßgeblich auch an Ryan Goslings Hauptfigur und seiner Beziehung zum besagten Alien-Stein. Beide sind Außenseiter, die überhaupt nicht geeignet für die Mission sind. Ryan Gosling spielt einen Lehrer, der zum Astronauten gezwungen wurde und sich nun durch seine Improvisationskünste am Leben hält, während der Stein mit dem Namen Rocky neben seiner drolligen und süßen Art eigentlich vollständig nutzlos bleibt.
Demgegenüber ging es in „Der Marsianer“ noch um einen Astronauten, der wirklich einer war, dem man seine wissenschaftlichen Erklärungen abgekauft hat. „Project Hail Mary“ ist dagegen eher eine Buddy-Comedy mit Fantasy-Einschlag statt ernstgemeinter Science-Fiction. Den meisten Zuschauern wird das vermutlich egal sein, weswegen der Film entsprechend in den Himmel gelobt wird. An der Stelle ist nicht von der Hand zu weisen, dass Lord & Miller hier ein durchweg spaßiger und ansehnlicher Gute-Laune-Film geglückt ist.
Im Übrigen ist das deren erste Regiearbeit nach ihrem Star-Wars-Rauswurf aus dem Jahre 2017. Und auf ironische Art beweisen sie Jahre später, dass sie einen viel besseren „Solo“-Film abgeliefert hätten als das, was letztendlich dabei herauskam.
6.5 von 10.0
Die Kritik im Original auf Moviepilot
The Boys – Staffel 5
Nach sieben Jahren endet „The Boys“ mit der 5. Staffel. Zum Ende schleppte sich die Serie dann doch merklich. Staffel Nr. 4 zeigte bereits Abnutzungserscheinungen und stellte einen spürbaren Abfall gegenüber den vorigen Staffeln dar. Auch die letzte Runde im Jahr 2026 kann nicht mehr an die Qualität der Anfänge heranreichen. Mit der dritten Staffel erreichte „The Boys“ seinen erzählerischen Höhepunkt und daran vermochte es die Serie nie mehr anzuknüpfen.
Dennoch ist diese letzte Staffel ein gelungenes und solides Ende. Für mich konnte sich die Serie wieder ein wenig zur enttäuschenden 4. Staffel steigern. Die Erzählung ist deutlich geradliniger und pointierter. Es wird sich auf das Wesentliche konzentriert. Fanlieblinge wie Soldier Boy kehren endlich zurück. Im Internet wird derweil wieder so getan, als sei dieser Abschluss ein einziger Reinfall. Aus meiner Sicht ist das eine gewaltige Übertreibung. Einzelne Episoden, die als Filler beschimpft werden, sind es nicht. Fehlende Charakterentwicklungen, die beklagt werden, gab es auch in der Vergangenheit nicht.
Natürlich hat sich „The Boys“ in den letzten Jahren totgelaufen. Das einst geniale Konzept dieser Fantasywelt konnte nur noch schwerlich um neue Facetten erweitert werden. Letztlich versandete das Ganze in der sich wiederholenden provokanten und rebellischen Art, anders sein zu wollen. Man kann das Superhelden-Genre, Amerika und Donald Trump eben nicht derart lange verarschen, ohne dass es irgendwann eintönig wird. Somit war spätestens nach den ersten drei Staffeln alles gesagt, was zu sagen war.
Auch dieses Jahr findet „The Boys“ wieder einige urkomische Querverweise und ironische Anspielungen auf die echte Welt. Das ist dieses Mal besonders beeindruckend, weil die 5. Staffel noch vor der zweiten Amtszeit von Donald Trump im Jahr 2024 geschrieben wurde. Und dennoch ergibt sich alles als so unfassbar akkurat. Als hätte „The Boys“ die Zukunft vorhergesehen.
Das Finale ist entsprechend angemessen und befriedigend. Jedoch bleibt alles auch in dem Rahmen, mit dem man schon vor Jahren gerechnet hat. Alles tritt ein, was eintreten musste. Alles löst sich auf, wie es sich auflösen musste. Dafür hätte es nicht fünf Staffeln gebraucht. Wie so viele Serien lief auch „The Boys“ spürbar zu lang und wurde in gewisser Hinsicht ein Opfer seines eigenen Erfolges.
Eine gewisse Ironie ist da schon vorhanden, denn letztendlich wurde aus der Serie das, was sie zu Beginn selbst kritisierte. Das Rad der Unterhaltung muss sich eben immer weiterdrehen und so endet zwar „The Boys“ (während das Spin-off „Gen V“ abgesetzt wurde), aber nach zusammengerechnet sieben Staffeln in diesem Universum folgt demnächst direkt das nächste Spin-off.
Und trotzdem wird diese Serie immer der perfekte Metakommentar auf das Kino der 2010er Jahre bleiben. „The Boys“ kam einfach zur richtigen Zeit. Zwar haben sie den richtigen Absprung verpasst, aber als Gesamtpaket ist dabei immer noch eine verdammt gute und unterhaltsame Serie herausgekommen. Für diese pointierte Satire auf modernes Entertainment und tagesaktuelle Politik ziehe ich meinen Hut.
7.0 von 10.0
Die Kritik im Original auf Moviepilot
